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Eine Vaillant-Wärmepumpe hat keinen „Nutze meinen Solarstrom“-Knopf. Die myVAILLANT-App zeigt den PV-Ertrag neben dem Verbrauch der Wärmepumpe an, reagiert aber nicht darauf, und „SG Ready“ im Datenblatt bedeutet nicht das, was sich die meisten erhoffen. Trotzdem kannst du eine aroTHERM dazu bringen, Haus und Warmwasserspeicher vor allem dann zu heizen, wenn die Sonne scheint. In diesem Beitrag vergleiche ich die fünf Wege dorthin, von einer kostenlosen Einstellung bis zur komplett lokalen Anbindung, und zeige, welchen ich bei mir in Wien nutze und warum.
Bei mir zu Hause getestet. Wenn nicht mit ⚠️ markiert, läuft alles hier auf meiner Anlage: aroTHERM split VWL 75/5 AS + uniTOWER VWL 78/5 IS, VRC 700 mit VR-921-Gateway, Huawei SUN2000-5KTL-M1. Alles mit ⚠️ hängt von deinem Modell, deinem Regler oder deiner Firmware ab: Schau in deine Handbücher, bevor du es übernimmst.
Die kurze Antwort
- Kostenlos, sofort: Warmwasser nur von 11:00 bis 15:00 erlauben und die wärmeren Heizzeiten in die Tagesmitte legen. Das allein verschiebt einen großen Teil des Verbrauchs in die Sonnenstunden.
- Mit Energiemanager: den SG-Ready- oder PV-Eingang der Wärmepumpe nutzen, falls dein Regler das unterstützt. ⚠️ Er hebt die Sollwerte um einen festen Offset an; er folgt nicht dem Überschuss.
- Mit Home Assistant oder einem ESP32: den Überschuss am Wechselrichter auslesen und die Raumtemperatur über die myVAILLANT-Cloud mit einem vorübergehenden Quick-Veto anheben. Das nutze ich.
- Komplett lokal: ein eBUS-Adapter mit ebusd. Die meiste Kontrolle, der meiste Aufwand.
Warum es mit Vaillant schwieriger ist als bei anderen Marken
Manche Wärmepumpen nehmen per Modbus eine Leistungsvorgabe an („nutze jetzt bis zu 1,5 kW“). Die aroTHERM stellt Endkunden nichts Vergleichbares zur Verfügung. Ändern kannst du das, was der Regler ohnehin in der App anbietet:
- die Raum-Solltemperatur (pro Zone),
- das Warmwasser-Soll und wann Warmwasser bereitet werden darf,
- die Betriebsart und die Zeitprogramme.
Darum funktionieren alle Lösungen im Kern gleich: Bei Überschuss wird mehr Wärme angefordert (eine höhere Raum- oder Warmwasser-Solltemperatur), und Regler und Verdichter entscheiden, wie viel Leistung das braucht. Haus und Warmwasserspeicher sind der Akku.
Daraus folgen zwei Dinge, die du einplanen musst:
- Du steuerst nicht die Leistungsaufnahme. Ein angehobenes Soll startet den Verdichter in der Stufe, die er selbst wählt. Meine Anlage braucht beim Heizen der Räume mindestens etwa 0,7–0,9 kW, beim Nachladen des Warmwassers rund 1,8 kW.
- Der Verdichter darf nicht takten. Ihn für eine sonnige Minute zwischen zwei Wolken zu starten, kostet mehr, als es bringt. Jede Automatisierung braucht eine Prüfung auf stabilen Überschuss und eine Pause zwischen den Starts.
Option 1: Zeitprogramme (ohne Hardware, ohne Code)
Das ist der Schritt mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis, und ich würde ihn vor allem anderen machen:
- Warmwasser nur von 11:00 bis 15:00. Der Speicher hält die Wärme viele Stunden, du merkst den Unterschied kaum. In der App ist das das Zeitprogramm für Warmwasser, am VRC 700 findest du es bei den Warmwasser-Einstellungen.
- Die Komfortzeit verschieben. Die Tagestemperatur vom späten Vormittag bis zum Nachmittag einstellen und das Haus am Abend leicht abkühlen lassen. Ein gut gedämmtes Haus hält die gespeicherte Wärme.
- Die Absenkung moderat halten. Eine starke Nachtabsenkung lässt die Wärmepumpe am kalten Morgen ohne Sonne hart arbeiten, also genau dann, wenn du es nicht willst.
Auf Wolken reagiert das nicht, aber es kostet nichts und kann nichts kaputt machen.
Option 2: SG Ready und der PV-Eingang ⚠️
Viele Vaillant-Anlagen haben einen Eingang mit zwei Kontakten für einen Energiemanager. Die Idee: Der Energiemanager deines Wechselrichters schließt bei Überschuss einen Kontakt, und der Regler hebt seine Sollwerte um einen eingestellten Offset an.
Lies das Kleingedruckte, bevor du Hardware dafür kaufst:
- SG Ready ist nicht „PV-Ready“. SG Ready wurde für Netzbetreiber entwickelt und kennt vier feste Zustände. Es kann „jetzt mehr heizen“ sagen, aber nicht „du hast 1,2 kW übrig“.
- Was genau passiert, hängt von der Reglergeneration ab. Beim sensoCOMFORT VRC 720 hebt der PV-Kontakt das Warmwasser-Soll um einen Offset an; Nutzer berichten, dass das Verhalten nicht immer zur Anleitung passt. An meinem VRC 700 habe ich diesen Eingang nicht genutzt.
- Die Verkabelung gehört zum Installateur. Die Kontakte müssen potenzialfrei sein, und der Eingang muss im Fachhandwerkermenü aktiviert werden.
Wenn dein Wechselrichter schon einen Energiemanager mit Relaisausgang hat, ist das ein vernünftiger Mittelweg. Wenn nicht, bekommst du mit den Optionen 3 bis 5 mehr Kontrolle für weniger Geld.
Option 3: Home Assistant und die myVAILLANT-Cloud ⚠️
Wenn du Home Assistant schon betreibst, bringt die Integration mypyllant-component (auf Basis der Bibliothek myPyllant) deine Zonen und das Warmwasser als Entitäten mit. Den Überschuss liefert die Integration deines Wechselrichters. Die Logik ist dann eine normale Automatisierung.
Läuft eine Zone nach Zeitprogramm, erzeugt das Setzen einer Temperatur ein Quick-Veto: ein vorübergehendes Soll, das der Regler nach Ablauf von selbst wieder entfernt. Genau das willst du, denn fällt Home Assistant mitten im Boost aus, kehrt die Heizung von allein zum Normalbetrieb zurück.
Ein Ausgangspunkt (⚠️ nicht das, was ich nutze; ersetz die Entitätsnamen durch deine und teste zuerst mit kleinen Werten):
alias: Heat pump solar boost
triggers:
- trigger: numeric_state
entity_id: sensor.grid_export_power # W, positive while exporting
above: 1200
for: { minutes: 15 } # steady surplus, not a sunny minute
conditions:
- condition: state
entity_id: input_boolean.solar_boost_active
state: "off"
- condition: numeric_state
entity_id: sensor.living_room_temperature
below: 23.5 # hard cap
actions:
- action: climate.set_temperature
target: { entity_id: climate.zone_1_circuit_0_climate }
data: { temperature: 23 } # day target + ~1.5 °C
- action: input_boolean.turn_on
target: { entity_id: input_boolean.solar_boost_active }
mode: singleDu brauchst eine zweite Automatisierung, die den Boost beendet (Einspeisung 10 Minuten lang unter ~200 W oder der Raum erreicht die Obergrenze) und den Helfer ausschaltet, und eine dritte, die innerhalb von 30 Minuten nach dem letzten Boost keinen neuen startet.
Drei Grenzen der Cloud gelten, egal was du darauf aufbaust:
- Rate Limit. Zu viele Aufrufe liefern
403 "Out of call volume quota". Frag höchstens alle paar Minuten ab. - Verzögerung. Nach einer Änderung kann einige Minuten lang noch der alte Wert zurückkommen. Reagier nicht darauf.
- Anmeldung. Sie läuft über OAuth mit deinem myVAILLANT-Konto. Versuch nicht, die Login-Seite zu automatisieren.
Option 4: ein ESP32 allein (das nutze ich)
Ich wollte keinen Server in der Kette, darum erledigt ein ESP32 für 5 € die ganze Arbeit: Er liest meinen Huawei-Wechselrichter alle paar Sekunden per Modbus TCP aus, entscheidet alle 10 Minuten, ob der Überschuss stabil genug ist, und setzt über die myVAILLANT-API ein Quick-Veto am VRC 700. Bei Überschuss hebt er außerdem das Warmwasser-Soll an und stellt danach den ursprünglichen Wert wieder her.
Den kompletten Aufbau mit Registern, Firmware und den Regeln, die ich über ein paar Wochen abgestimmt habe, findest du in einem eigenen Artikel: Heizen mit PV-Überschuss: ein ESP32 zwischen Huawei-Wechselrichter und Vaillant-Wärmepumpe.
Option 5: eBUS, komplett lokal ⚠️
Regler, Wärmepumpe und Gateway sprechen über den eBUS, einen zweiadrigen Bus. Ein ebusd-Adapter an diesem Bus und ebusd geben dir lokalen Zugriff auf Vor- und Rücklauftemperaturen, Verdichterdaten und Sollwerte, ohne Cloud und ohne Rate Limit. ebusd veröffentlicht alles per MQTT, sodass Home Assistant oder ein ESP32 es genauso nutzen können wie bei Option 3.
Der Haken: Die Nachrichtendefinitionen unterscheiden sich je nach Regler und Firmware. Fang nur lesend an
(ebusctl find, dann ebusctl read <name>) und schreib Sollwerte erst, wenn du die genaue Nachricht an deinem Gerät
bestätigt hast. Schließ den eBUS nie direkt an Pins eines Mikrocontrollers an.
Vergleich
| Reagiert auf Wolken | Lokal | Aufwand | Kosten | |
|---|---|---|---|---|
| 1. Zeitprogramme | Nein | Ja | Minuten | 0 € |
| 2. SG Ready / PV-Eingang ⚠️ | Nur ein/aus | Ja | Installateur | Energiemanager + Verkabelung |
| 3. Home Assistant + Cloud ⚠️ | Ja | Nein | Ein Abend | 0 €, wenn HA schon läuft |
| 4. ESP32 + Cloud | Ja | Teilweise | Ein Wochenende | ~5 € |
| 5. eBUS + ebusd ⚠️ | Ja | Ja | Mehrere Abende | eBUS-Adapter |
Regeln, die zählen, egal welche Option du wählst
- Nur bei stabilem Überschuss starten. Ich verlange ihn für mindestens 80 % eines 10-Minuten-Fensters.
- 30 Minuten Pause zwischen zwei Boosts. Das schont den Verdichter.
- Nur vorübergehende Änderungen. Ein Quick-Veto läuft von selbst ab, ein geändertes Zeitprogramm nicht.
- Alles begrenzen. Eine maximale Raumtemperatur (bei mir 24,5 °C) und ein maximales Warmwasser-Soll.
- Fehlende Daten heißen „Stopp“. Wenn Wechselrichter oder Cloud nicht antworten, endet der Boost.
- Die Schutzfunktionen der Wärmepumpe nicht anfassen: Frostschutz, Legionellenschutz, Mindestlaufzeiten.
- Die Raumaufschaltung prüfen. Steht die Raumtemperaturregelung auf „Keine“, folgt der VRC 700 nur der Außentemperatur und ignoriert ein angehobenes Raum-Soll. ⚠️ Auf „Aktiv“ umzustellen ist nur sinnvoll, wenn der Regler in einem Wohnraum hängt.
Lohnt es sich?
Die Ersparnis pro kWh ist der Unterschied zwischen dem, was du für Netzstrom zahlst, und dem, was du für die Einspeisung bekommst. In Österreich ist dieser Abstand groß: Du kaufst zu einem Vielfachen des Einspeisetarifs. Jede kWh, die die Wärmepumpe vom Dach statt am Abend aus dem Netz nimmt, spart genau diese Differenz.
Wo es nicht hilft: Im Dezember und Jänner reicht der Überschuss selten, um überhaupt einen Boost zu starten. Der Gewinn kommt aus Frühling, Herbst und dem Warmwasser das ganze Jahr über.
FAQ
Kann eine Vaillant-Wärmepumpe PV-Überschuss von selbst nutzen?
Nicht automatisch. Die myVAILLANT-App zeigt den Solarertrag an, aber der Regler reagiert nur darauf, wenn ein Energiemanager den PV-/SG-Ready-Eingang nutzt oder etwas anderes die Sollwerte für ihn anhebt (Home Assistant, ein ESP32, ebusd).
Ist die aroTHERM SG Ready?
⚠️ Viele aroTHERM-Anlagen haben je nach Regler und verbauten Modulen einen SG-Ready-fähigen Eingang. Schau in die Installationsanleitung deines Reglers und lass ihn von deinem Installateur aktivieren.
Verschleißt der Betrieb mit Überschuss den Verdichter?
Nicht, wenn du kurzes Takten vermeidest. Verlange stabilen Überschuss, halte eine Pause zwischen den Boosts ein und lass jeden Boost lange genug laufen. Ein Soll für eine Stunde um 1–2 °C anzuheben ist schonend, alle paar Minuten zu schalten nicht.
Hat myVAILLANT eine API?
Keine offizielle, öffentliche. Die Cloud-API der App ist durch das Open-Source-Projekt myPyllant dokumentiert. Sie funktioniert gut, ist aber inoffiziell und hat ein Rate Limit, also plane Rückfallebenen ein.
Und mit einem dynamischen Stromtarif?
Derselbe Mechanismus funktioniert für günstige statt sonnige Stunden: Hebe die Sollwerte an, wenn der Preis niedrig ist. Das behandle ich in einem eigenen Artikel.
Fazit
Fang mit den Zeitprogrammen an: Warmwasser zu Mittag, Komfortzeiten, solange die Sonne scheint. Wenn die Wärmepumpe dem tatsächlichen Überschuss folgen soll, heb Raum- und Warmwasser-Soll mit einem vorübergehenden Quick-Veto an, aus Home Assistant oder mit einem kleinen ESP32, und schütze den Verdichter mit einer Stabilitätsprüfung und einer Pause. SG Ready ist eine Rückfallebene für einen vorhandenen Energiemanager, und eBUS ist die Option für alle, die alles lokal haben wollen.
